"Gerade als Gegenmittel gegen die unheilsamen Folgen der Modernen Hast ist es geboten in der Freizeit Verlangsamung und Innehalten bewusst zu pflegen(…) Denn Verlangsamung hilft körperliche und geistige Spannungen zu lösen; sie lenkt Aufmerksamkeit auf die einzelnen Phasen eines Komplexen Vorgangs(…) Über den unmittelbaren Übungszweck hinaus werden die Verlangsamungsübungen auch einen ruhigen Durchschnittsrhythmus im täglichen Handeln, Sprechen und Denken bewirken" (Nyanaponika 1979)

Über Qigong und TCM

Qigong: Gesundheitsgymnastik aus einem fernen Land

Qigong ist eine alt-chinesische Gesundheitsgymnastik.
Qi bedeutet Energie, Gong - Arbeit.
Die Übungen dienen also der Entwicklung und der Stabilisierung der energetischen Balance des menschlichen Körpers. Ein guter energetischer Zustand ist, aus der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), die Grundlage für einen gesunden Körper. Ist das Qi schwach, fühlt man sich ausgelaugt. Ist das Qi in einem Organ blockiert, entstehen die Krankheiten. Der Qi-Zustand lässt sich durch Nahrung, Bewegung, Qigong und Arzneimittel beeinflussen. Manche Qigong Formen haben eine jahrhundertealte Geschichte (z.B. 8 Brokate-Form oder das Spiel der 5 Tiere). Manche sind relativ jung (z.B. Organe - Qigong). Diese wurden meistens von chinesischen Meistern auf Basis des Wissens und der Techniken der TCM entwickelt. Aber selbst die alten Formen unterscheiden sich in der Ausführung, denn sie wurden von den Stilen der praktizierenden Meister beeinflusst.
Die zu medizinischen Zwecken eingesetzten Übungen finden in ihrem Ursprungsland ein großes Einsatzfeld und werden auch bei schweren Krankheiten wie Krebs erfolgreich angewendet. Auch in Deutschland werden sie in diesen Fällen manchmal praktiziert, allerdings als begleittherapeutische Maßnahme.
Zu Präventionszwecken üben viele Menschen in China morgens in Parks. In Deutschland ist diese Gymnastikform wenig bekannt, denn die ruhigen, fließenden Bewegungen sind für die modernen Europäer mit ihrem stressigen, schnellen Tagesablauf, Zeit- und Leistungsdruck sehr ungewöhnlich. Jedoch immer mehr Menschen suchen einen Ausgleich zur Alltagshektik. Qigong eignet sich bestens zu diesem Zweck, weshalb findet es immer mehr Anerkennung.

5 Wandlungsphasen

Nach den Ansichten der Traditionellen chinesischen Medizin läuft ein Jahr, wie auch ein Tag oder das menschliche Leben 5 Wandlungsphasen durch: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jeder Phase entsprechen bestimmte Merkmale, wie Farben, Klima, allgemeine Prozesse. Die Wandlungsphase Holz steht für den Neuanfang, das Wachstum, das aufsteigende Yang. Die Wandlungsphase Feuer: fürs Gedeihen, für die Entfaltung der Säfte. Sie ist der Gipfelpunkt der Yang-Prozesse. Die Wandlungsphase Erde ist für die Fruchtbarkeit, die Reife und goldene Mitte. In der Wandlungsphase Metall entsteht das Yin: die Abkühlung der Säfte und Ruhephase setzen an. Die Wandlungsphase Wasser entspricht dem Höhepunkt der Yin-Prozesse mit einer gewissen Unbeweglichkeit und Wartungshaltung. Diese Phase schafft die Grundlage für den Neubeginn (Holz).
Diese Abläufe spiegeln sich menschliche Körper wieder. Emotionen, Körpergewebe, Organe, Geschmacksrichtungen ordnet man den entsprechenden Wandlungsphasen zu. Nimmt eine Phase überhand, wird die andere geschwächt und als Folge gerät der Körper aus dem Gleichgewicht. Durch Übungen, Medizin, Ernährung kann man diesen Prozess beeinflussen, besonders unter der Berücksichtigung der Tages- und Jahreszeiten.

Wandlungsphase Wasser

Winter
Winterzeit. Wie verzaubert versinkt die Natur in ihren Winterschaf. Ausruhen, Kräfte sammeln, Oberfläche verschließen, Säfte schützen. All dies ist notwendig, um die Grundlage für die Wiedergeburt zu gewähren. Energievorräte werden nur ganz langsam, auf das Nötigste beschränkt, in Anspruch genommen. Auch Mensch sollte kürzer treten, viel ausruhen, energiereiche Speisen zu sich nehmen. Sehr zu empfehlen sind längere Schlaf- bzw. Ruhepausen. Nehmen Sie unbedingt eiweißreiche Eintöpfe auf Ihren Speiseplan. Fein gewürzte Linsen-, Erbsen und Bohnengerichte, gekochte Vollkorngetreidebeilagen, Nüsse sind eine Wohltat für Ihren Körper. Auch Wurzelgemüse (gekocht, gegart, gedünstet!), ist ein sehr wichtiger Energielieferant. Meiden Sie Milchprodukte, reduzieren Sie frisches Obst und Gemüse. Ab und zu mal dunkle Fleischsorten, die länger gekocht werden, sind auch zu empfehlen. Bewegung ist wichtig! Berücksichtigen aber dabei, dass das Auspowern damit nicht gemeint ist, denn der Körper verliert dabei eine Menge wertvoller Körpersäfte. Bevorzugen Sie Sportarten, die Ihren Körper nicht zu sehr strapazieren. Was Qigong angeht, empfehle ich Ihnen Übungen, die Mingmen-Bereich, sowie Nieren- und Blasen-Meridiane ansprechen. Dazu gehört zum Beispiel eine einfache Übung aus der Form „8 Brokate“ (Füße zusammen → Arme heben → den Körper leicht hinten beugen → Hände bis zur Körpermitte senken und anschließend an die Nierengegend legen → Nieren wahrnehmen → Hände an der Rückseite der Beine abwärts gleiten lassen → Pinkte am Fußgelenk Ni3 und GB40 drücken → Körper aufrichten, Hände gleiten an der Innenseite der Beine hoch) Auch Massage des unteren Rückens am Fußknöchel sollte in Ihren täglichen Übungspensum nicht fehlen. Ich wünsche Ihnen schöne warme und erholsame Wintertage. Und bleiben Sie gesund! Die Lungenenergie hat einen direkten Einfluss auf das Immunsystem und auf unser Gemüt. Häufige Erkältungen und Stimmungsschwankungen können die ersten Anzeichen der Lungenenergieschwäche sein. Auch durch unsere Essgewohnheiten können wir den Körper in dieser Periode unterstützen Essen Sie warme, fein gewürzte (nicht scharfe!) Speisen. Bevorzugen Sie das Wurzelgemüse, getrocknetes Obst. Reduzieren Sie den Verzehr der energetisch kalten Lebensmittel wie Milchprodukte, Brot, frisches Obst. Die Emotion Trauer schadet der Lunge. Verzeihen Sie den Mitmenschen Ihre Schwächen, Unaufmerksamkeit oder auch schweren Charakter. Sie werden merken, es leistet Ihnen und Ihren Beziehungen einen guten Dienst.

Bleiben Sie gesund!

Drei Säulen des Qigong

Regulierung des Geistes

Regulierung der Atmung

Regulierung des Körpers